Facebook-Welten

Eines vorweg: Das ist meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema, und da in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht, äußere ich sie auch. Ich muss das jetzt einfach mal loswerden.

In den letzten beiden Wochen war ich eher selten auf Facebook. Da geht dann eben so einiges an mir vorbei. Unter anderem, dass einige Profile von Freunden auf Facebook nicht mehr aktiv sind. Viel Recherche war nicht nötig, um herauszufinden, dass Facebook die Profile deaktiviert hat. Darum geht es hier: Um die Tatsache, dass das größte soziale Netzwerk der Welt wieder einmal dabei ist, bestimmte, schon lange bestehende Regeln durchzusetzen.

Die Rede ist von der Realnamen-Pflicht oder Klarnamen-Pflicht, die in den AGBs von Facebook verankert ist, und das nicht erst seit ein paar Wochen oder Monaten. Nur hat es Facebook bisher offenbar meistens nicht gekümmert, ob man sich daran hält oder nicht. Ja, ja, da gab es schon die eine oder andere Säuberungsaktion. Wenn man den Beitrag von Chris Cox liest, den er am 01.10.2014 dazu veröffentlicht hat, könnte man den Eindruck haben, das Thema hat sich erledigt. Offenbar aber doch nicht. Nun ja. Das war schon sehr geschickt ausgedrückt: Jeder soll auf Facebook den Namen nutzen können, den er auch im Alltag nutzt.

Für die meisten User bedeutet das Realnamen-Pflicht. Hmhm. Einerseits kann man Leute, die andere diffamieren oder sogar bedrohen, so natürlich leichter zu fassen bekommen – rein theoretisch zumindest. Aber andererseits öffnet man damit gerade solchen Leuten doch weit die Tore.
Frau XY zum Beispiel, die eine schlimme Beziehung hinter sich hat und bei Facebook mit einem Fantasienamen angemeldet ist, damit der Expartner ihr nicht so einfach auf die Spur kommt. Diese Frau zwingt man nun, ihren Realnamen anzugeben. Und dann? Das Szenario mag weit hergeholt wirken, aber ist es das für die vielen verängstigten Frauen in den Frauenhäusern wirklich? Frauen, die sich durch die Kontakte auf Facebook vielleicht einfach nur ein Stück Normalität in ihr ansonsten nicht gerade angenehmes Leben holen. Facebook, übernehmt Ihr die Verantwortung für die Konsequenzen, die das haben kann? Ja, natürlich werden sich die allermeisten dieser Frauen von Facebook lieber abmelden, statt den Realnamen anzugeben. Aber dadurch verlieren sie doch das, was sie auf Facebook gesucht und gefunden haben: Ein Stück Normalität oder auch heile Welt. Und es sind nicht nur Frauen, denen es so geht, sondern natürlich auch Männer. Missbrauchsopfer jeder Art. Politisch Verfolgte, und noch viele mehr. All diese Leute denken sich dann wohl *Ironie an* Vielen Dank, Facebook *Ironie aus*.

Und es geht ja nicht nur um solche Gruppen. Betrachten wir doch einmal uns, die Autoren, unter denen in den letzten Tagen einige von dieser Säuberungsaktion betroffen waren. Gerade auch Autoren aus dem Gay-Genre. Facebook, ist Euch eigentlich klar, was ihr da treibt? Die wenigsten von uns leben vom Schreiben, sondern haben ganz normale Jobs. Und damit auch Arbeitgeber, denen es vielleicht gar nicht recht ist, wenn der Mitarbeiter unter seinem Realnamen bei FB angemeldet ist und sich da fröhlich im Gay-Genre tummelt. Einfach weil die Firma in einem Geschäftsfeld tätig ist, das extrem konservativ ist. Ja, das gibt es auch heute noch. Es hat nicht jeder einen toleranten Vorgesetzten. So ist das nun mal. Davon ganz abgesehen haben viele von uns auch Kinder und Familien, die wir versuchen zu schützen, indem wir eben mit dem Pseudonym angemeldet sind. Aber auch als Single möchte man – aus welchen Gründen auch immer – die beiden Bereiche des Lebens vielleicht trennen.

Und und und … Es gibt so vielfältige Gründe, eben nicht den Realnamen anzugeben, und im deutschen Telemediengesetz steht, – obwohl im EU-Recht anders geregelt – dass die Nutzung von solchen Onlinediensten auch ohne Angabe von Realnamen möglich ist. Das Wort Datenschutz prangt da fett und rot in meinem Gehirn. Nur kümmert das deutsche Recht Facebook herzlich wenig, weil sie ihren Firmensitz ja nicht hier in DE haben.
Apropos Recht und Gesetz. Was passiert denn nun, wenn Facebook der Meinung ist, mein Name ist nicht echt? Nützt es mir da was, dass mein Pseudonym als eingetragener Künstlername in meinem Ausweis steht? Klar, wird Facebook wahrscheinlich sagen. Dann einfach eine Ausweiskopie zusenden? Super. Denn nach deutschem Recht darf ich nun mal von meinem Ausweis keine Kopie machen. Das ist eine Straftat. Wie weise ich also nach, dass ich mein Pseudonym ganz offiziell verwenden darf? Hm? Irgendwelche Ideen, mit denen ich mich nicht strafbar mache, Facebook? Ich hätte da schon eine: Ihr könnt gerne bei mir vorbei kommen und meinen Ausweis unter die Lupe nehmen. Oder wir treffen uns irgendwo hier in Deutschland. Ich gebe sogar einen Kaffee aus.

Aber halt, als AutorIn hat man ja immer noch die Möglichkeit, eine Autorenseite anzulegen, und so auf Facebook präsent zu sein. Ganz toll. Denn mit jemandem anfreunden kann ich mich so nicht. Gruppen beitreten? Nada. Aber wenigstens kann man mir doch dann noch private PNs schicken. Ja, wenigstens das, und über meine Autorenseite kann ich auch mit meinen Lesern in Kontakt bleiben. Aber so einiges ist eben nicht möglich.

Die Argumente, die Facebook für die Realnamen-Pflicht ins Feld führt, lesen sich ja teilweise wirklich super. Hand und Fuß haben sie meiner Meinung nach alle nicht. Also was steckt dahinter? Ein Schelm, der Böses denkt, und die neuen AGBs mit der Realnamen-Pflicht in Verbindung bringt. Manchmal bin ich aber ein Schelm und äußere meine ganz persönlichen Gedanken jetzt mal. Neue AGBs, mehr bezahlte Werbung. Aber mit Nicknamen kann man in diesem Bereich nicht wirklich was anfangen. Mit den Realnamen schon. Denn die lassen die Kasse für die Werbeeinnahmen so richtig klingeln. Ja klar. Ist nicht nur bei Facebook so, damit ist man im Internet ständig konfrontiert. Aber dann muss ich das auf einer sozialen Plattform doch nun wirklich nicht auch noch haben, oder? Ist zumindest meine Ansicht.

Klar kann ich für mich entscheiden, Facebook zu verlassen. Aber ich habe dort in den letzten Monaten einige wirklich nette Leute kennengelernt, mit denen ich mich regelmäßig austausche. Wäre schade, wenn ich das auf diesem doch sehr einfachen Weg nicht mehr könnte. Deshalb muss ich wohl in den sauren Apfel beissen und der Dinge harren, die da kommen, oder? Denn das einzige, was vielleicht wirklich helfen würde, wäre ein Boykott. Wäre bestimmt nicht lustig für FB – auch auf die Werbeeinnahmen gesehen – wenn plötzlich ein Großteil der Nutzer verschwindet. Das wäre dann schon eine ganz andere Marke als die paar hundert oder tausend User, die man gerade vor die Entscheidung stellt. Aber das müsste schon ein ganz groß angelegter Boykott sein, und ich schätze mal, das wird wahrscheinlich nie passieren. Und nein, ich rufe hiermit niemanden zum Boykott auf.

Tja, welche Alternative bleibt? Vielleicht sollte ich mal gründlich drüber nachdenken, meinen Server aufzurüsten und für meine FB-Freunde ein eigenes Netzwerk mit Chat zu eröffnen? Nicknamen ausdrücklich erlaubt. Das wäre es doch. Kein Facebook mehr, sondern ChrisChat. Ich bin mal gespannt, ob es nötig wird, sich solche Gedanken zu machen, sobald ich diesen Beitrag veröffentlicht habe. Aber Leute, ich bin nicht total aus der Facebook-Welt raus, selbst wenn mein privates Profil gesperrt wird. Ich habe am 16.01. eine Autorenseite eröffnet. Bei Bedarf findet ihr mich dann unter:
https://www.facebook.com/Christina.McKay.Autorin

Wenn jemand Interesse daran hat, den Artikel von Chris Cox lesen:
https://www.facebook.com/chris.cox/posts/10101301777354543

Übrigens wurde auch eine neue Gruppe eröffnet, in der die Autorenseiten gesammelt werden. Ihr findet sie unter: https://www.facebook.com/groups/895170783850828/

Aber vielleicht brauche ich meine Autorenseite ja nicht, um mit Euch in Kontakt zu bleiben und wir lesen/schreiben uns auch weiterhin auf meinem privaten Profil und in den Gruppen.

In diesem Sinne, mit Gedanken über die Facebook-Welten

Eure Chrissy

7 Kommentare

  1. Auf Google Plus kannst du dir eine Autoren-Seite einrichten, die alles kann, was ein Profil auch kann: Follower haben, Beiträge plussen, Communities beitreten und auch in Communities hineinposten. Man kann sich ein privates Profil unter seinem Klarnamen anlegen und eine Seite unter dem Autoren-Pseudonym – und wenn man nicht selbst verrät, wer dahintersteckt, wird es nie jemand herausfinden.

    • Hallo Hans-Peter,
      danke für den Eintrag. Ja, das ist mir alles bekannt. Aber auch Google+ bietet nicht die gleichen Möglichkeiten wie Facebook, ebenso wenig wie andere soziale Netzwerke, die es daneben noch gibt.
      Wie eine Freundin von mir auf FB bereits geschrieben hat: Auf ein anderes Netzwerk ausweichen funktioniert nur, wenn alle Freunde das gleiche SN benutzen. Und deren Freunde auch, ebenso wie dann auch deren Freunde. Mal abgesehen davon, dass andere Netzwerke teilweise manche Funktionen nicht unterstützen: Irgendwo wird einem immer ein lieb gewordener Freund verloren gehen, wenn man nicht mehr bei FB ist. Und das wird von denen gnadenlos ausgenutzt.
      LG, Chris

    • existe des raisons à cette dérive pourriez vous en donner une syRÃst¨he?nédigé par : bérénice | le 13 novembre 2012 à 18:34Allez JC, donne-lui une synthèse à cette bérénice. Mais sans la draguer si tu peux.

    • Lichtens war dort am und meint: Bieten einen wahnsinnskurs bei absolut schneller abwicklung! Eigentlich war ich sehr zufrieden. Allerdings hört man, dass sie den losekurs stark negativ beeinflussen!

    • Stellar work there everyone. I’ll keep on reading.

    • – There are quite a few domesticated breeds of animals that cannot mate naturally. Our dogs, cats, horses, cows, sheep, pigs etc would not exist without or centuries of selective breeding. When selective breeding gets so specialized it often brings out unwanted traits, such as genetic disorders and yes even the occurance of an inability to mate naturally. It is a physiological issue, and artificial insemination is often required. In addition, Frenchies often can not birth their puppies naturally and must have a C-Section to deliver safe and healthy pups.

  2. Ich stimme dir absolut zu! Du hast alles ganze auf den Punkt gebracht!

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