Piraten und Diebe

Ich war seit 23.12. ganz selten online, erst recht nicht auf Facebook. Die „Sache” mit der Facebook-Gruppe, in der fleissig eBooks illegal verteilt wurden, war eigentlich bisher an mir vorbeigegangen.
Eines vorweg: Ich will mit diesem Post niemandem auf die Füße treten. Ich stelle hier keine Blogger an den Pranger, und ich verstehe die Autoren, die beschlossen haben, sich von Plattformen wie BookRix oder FF mehr oder weniger zurückzuziehen. Mir tut es auch weh, wenn eine Story – egal ob nun meine, oder die von anderen AutorInnen – lapidar als Aneinanderreihung von getippten Worten bezeichnet wird. Es ist traurig und macht mich wütend, wenn unsere Arbeit von manchen so gering geschätzt wird.
Ja, es kotzt mich an. Aber wundert es mich? Nein. Das ist nicht erst seit ein paar Wochen so. Heute ist es eine FB-Gruppe, morgen eine andere Plattform.

Bei Grafiken hat man das seit vielen Jahren, immer wieder auf anderen Plattformen. Das illegale Verteilen von digitalen Inhalten ist fast so alt wie das Internet. Anfang der 90er, als das WWW gerade erst geboren worden war, wurden Newsgroups dafür genutzt. Seit vielen Jahren gibt es Sharing-Plattformen, über die man – ausreichend kriminelle Energie vorausgesetzt – eigentlich alles bekommen kann. Software, für die man normalerweise hunderte Euro zahlen müsste (und im Grafikbereich noch mehr), Grafiken, 3D-Modelle, Musik. Nun eben auch eBooks.
Man kann einiges tun, aber komplett schützen kann man sich bzw. die eBooks vor dem illegalen Verteilen nicht.
Verkaufe ich in Zukunft also nur noch Prints? Nö, wieso auch? Gibt es den Klau bei Prints denn nicht? Doch, den gibt es. Vor der Zeit der eBooks konnte man auch gedruckte Bücher bzw. deren Inhalte illegal im Internet finden – als PDF-Dateien. Auch heute noch kursieren viele Fachbücher und Zeitschriften, die es NUR als Prints gibt, auf Piraten-Plattformen in PDF-Form.
Rege ich mich zu wenig über die Piraterie auf, weil es meine eBooks bisher komplett umsonst gibt? Nein! Das hat damit gar nichts zu tun! Immerhin sollen künftige Stories von mir auch in den Verkauf gehen. Aber wie viel Energie investiere ich nun darin, mich darüber aufzuregen? Eigentlich nutze ich diese Zeit lieber für andere Dinge – zum Beispiel schreiben. Vllt sehe ich das Ganze etwas pragmatischer, weil ich das alles im Grafikbereich schon hinter mir habe.

Nochmal: Bitte nicht falsch verstehen. Es ist total mies, was da abgeht, und den AutorInnen gegenüber absolut unfair. Gegen ein Plagiat kann man in gewisser Weise vorgehen. Da lässt sich mit viel Mühe meistens ein Schuldiger ausmachen. Bei Piraterie ist das anders. Sobald ich einen digitalen Inhalt erstelle, ist er kopierbar. Bei gewissen Schutzmaßnahmen nicht unbedingt einfach, man kann einiges tun, aber komplett abstellen kann man das nicht. Da würde nur eines helfen: Kein Buch mehr veröffentlichen. Will ich das? Bestimmt nicht.
Es spielt auch gar keine Rolle, wie kurz oder lang ich ein Buch auf einer der Plattformen zur Verfügung stelle. Nur zwei Stunden? Das sind zwei zu viel, in Bezug auf die Piraterie gesehen. Bei Bookrix nur für Freunde? Tja, kenne ich diese Leute denn im wahren Leben? Drei oder vier davon. Dann bleiben immer noch fast 200, die ich nicht kenne, aber trotzdem auf der FL habe. Wer garantiert mir, dass nicht eine(r) davon das heruntergeladene ePub illegal in Umlauf bringt? Niemand. Wo bleibt denn dann der Schutz? Den gibt es nicht.

Machen wir uns nichts vor: Selbst wenn nur noch DRM-geschützte eBooks verkauft werden und kein einziges kostenloses Exemplar mehr den Besitzer wechselt (seien das nun Rezensionsexemplare oder Geschenke an Freunde): Das geschützte eBook wird es trotzdem auf die Piratenplattformen „schaffen”. Den DRM-Schutz kann man knacken, mehr oder weniger einfach. Es wird immer wieder Leute mit ausreichend krimineller Energie geben, die das machen. Und mehr als genug Leute, die sich die Bücher kostenlos holen und unsere Arbeit damit mit Füßen treten. So traurig das auch ist, daran werden wir nichts ändern können. Wir können es den Dieben erschweren, ja.  Aber solange wir schreiben, wird es die Diebe geben.

Paradox ist übrigens Folgendes: eBooks, die es in den Shops kostenlos gibt, wie meine z.B., sind trotzdem auf den Piratenplattformen vertreten. Nicht einmal als ePub, sondern eben als PDF. Mit gut 3facher Downloadgröße gegenüber dem kostenlosen ePub. Daran sieht man mal, wie blöd manche der User sind, die solche Plattformen nutzen. Die laden lieber ein 3 MB großes PDF runter, als das kostenlose ePub mit nicht mal 1MB. Diesen Leuten ist einfach nicht zu helfen.

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